Samstag, 5. Juli 2025 – Sofagespräch im Museumsgarten

Heimatgeschichtlicher Nachmittag zum Brunnenfest

Am vergangenen Samstagnachmittag fanden trotz der hochsommerlichen Temperaturen doch gut 90 Interessierte den Weg in den Museumsgarten des Dorf- und Heimatmuseums Winterbach.

Dieses Mal stand der Teilort Engelberg im Fokus. Nachdem Manolzweiler und der Kernort Winterbach bereits in den vergangenen Jahren in unseren Sofagesprächen thematisiert worden sind, war in diesem Jahr der Engelberg mit der Freien Waldorfschule das Thema. Neben dem Dorf- und Heimatmuseum, das die Besucherschaft in eine frühere Zeit eintauchen lässt, ist es Ziel der Sofagespräche Personen, die im Ort verwurzelt sind zu Wort kommen zu lassen. Welch glücklicher Umstand, dass die Waldorfschule (80 Jahre) und die Kindertageseinrichtungen (40 Jahre) in diesem Jahr ihr 120. Jubiläum feiern.

Auf dem Sofa mit Häkeldeckchen und Couchtischchen saßen Elfriede Stollwerck und Gesine Brücher. Barbara Dittrich moderierte und bat zunächst Elfriede Stollwerck – in Winterbach geboren – aus ihrem Leben auf dem Engelberg zu berichten. Einfühlsam und detailliert erzählte sie von ihrer Kindheit und ihrem Eintritt in die Waldorfschule mit 11 Jahren im Herbst 1946. Kriegszeiten, spärliche Schulbesuche zunächst noch unten in Winterbach und dann in Schorndorf mussten oft zu Fuß zurückgelegt werden. So beschloss ihr Großvater, sie ortsnah in der kleinen Waldorfschule anzumelden.

Ihre Mitschüler Dr. Georg Friedrich Kempter und Rosemarie Knorr konnten beim Sofagespräch auch begrüßt werden.

Nach all der schlimmen Zeit in dieser, von der Familie Kempter gegründeten Waldorfschule, einen Platz zu finden, fiel ihr sehr leicht. Viele Mitschülerinnen und Mitschüler vom Engelberg kannte sie bereits. Außerdem wurde ihr nun eine Tür geöffnet zu einer interessanten kulturellen künstlerischen Bildungswelt. Dankbar „sog sie all die Angebote auf wie ein Schwamm“. Besonders die Eurythmie und die Weihnachtsspiele bereicherten ihr Leben sehr. Später machte sie selbst eine dreijährige Eurythmie – Ausbildung in Dornach und unterrichtete anschließend gemeinsam mit Frau Mothes die Eurythmieklassen mit großer Freude.

Die zweite Gesprächspartnerin – Gesine Brücher – über viele Jahre Lehrerin an der FWE – erzählte ihren Werdegang und wie sie letztendlich dann auf dem Engelberg landete. Als examinierte Staatsschullehrerin wollte sie unbedingt die Waldorflehrerausbildung draufsetzen, um dann an Waldorfschulen unterrichten zu können. Viele Stolpersteine lagen im Weg. Mit einem kleinen Kind eine Ausbildung zu machen war (heute wie) damals kein Kinderspiel. Letztendlich traf sie die Tochter von Reinhold Maier (erster Ministerpräsident von Baden- Württemberg), die ihr die erfreuliche Mitteilung machte, dass eine berufsbegleitende Ausbildung zur Waldorfpädagogin in den Startlöchern stehe. Das war ihre Rettung. So konnte sie diese Weiterbildung abschließen.

Die Moderatorin Barbara Dittrich provozierte sie anschließend mit all den Vorurteilen, die es über Waldorfschülerinnen und Waldorfschüler gibt: „sie tanzen ihren Namen“, „sie verreisen dauernd in irgendwelche Praktika“, „sie dürfen nicht fernsehen“ und, und, und… Gekonnt und fundiert konterte Gesine Brücher und erläuterte die Hintergründe vieler Aspekte der Waldorfpädagogik.

Verbinden heißt die Devise, so auch den Kernort Winterbach mit den Teilorten!
Wo erleben wir fruchtbare Begegnungen?
Wie wachsen wir noch mehr zusammen?

Wir dürfen dankbar sein, dass wir einander haben. Lasst uns diese Gemeinschaft in Winterbach weitere Früchte tragen, so das Fazit der Moderatorin.

Heimatverein Winterbach e.V.