Wurzelbürsten im Dorf- und Heimatmuseum
Zunächst stellt sich die Frage: Woher kommt der Name?
Und da bieten sich zwei Möglichkeiten an. Zum einen wird gesagt, der Name käme daher, dass die Wurzelbürste gerne zum Putzen von Wurzelgemüse wie Gelbe Rüben oder Sellerie verwendet wird. Zum anderen wird gesagt, dass der Name daherkommt, weil die Borsten, die man bei Wurzelbürsten Fasern nennt, aus Wurzeln bestehen.
Die Wurzel des Namens steckt also so oder so in der Wurzel.


Nicht so harte Borsten vom Schwein und andere Tierhaare, später auch Kunststoffborsten, werden vorwiegend bei Kleiderbürsten, Schuhbürsten, Spülbürsten, Toilettenbürsten, Heizkörperbürsten, Haarbürsten und auch noch vielen anderen Bürstenarten verwendet.
Die Fasern der groben Wurzelbürste bestanden dagegen ursprünglich aus harten Wurzel- und Blattfasern. Aus Wurzeln gefertigte Wurzelbürsten sind nur noch selten anzutreffen. Der Besatz, also die Fasern sind sehr hart und es empfiehlt sich, die Bürste vor Gebrauch einige Minuten in Wasser einzuweichen, damit die Fasern nicht brechen.
Folgende Wurzelfasern sind bekannt:
- Wurzeln der „Gemeinen Quecke“,
- „Reiswurzeln“, wobei es sich hier um „Raiz de Zacatón“, eine Grasart aus Südamerika handelt.
Auch Bürsten mit Fasern aus Blättern nannte man Wurzelbürsten:
- „Fibre“ oder „Tampico“, Blattfasern aus Agavenarten in Mexiko
- „Bassine“, Palmfasern aus den Blattstängeln der Sagopalme
- „Union“, eine Mischung aus „Fibre“ und „Bassine“
Für Pferde- und Kuhbürsten werden gern die nicht so harten Kokosfasern oder Sisal (Faser aus Agavenblättern) verwendet.
Fast alle diese Borsten, Tierhaare und Fasern befinden sich auf dem Arbeitstisch des Winterbacher Bürstenmachers Wilhelm Kazmaier im Handwerkerraum des Museums.
Die Wurzelbürsten hat man, wie oben gesagt, zum Putzen von erdverkrustetem Wurzelgemüse verwendet. Aber auch beim Wäschewaschen wurden diese benutzt, um besonders schmutzige Arbeitskleider zu säubern, ebenso um rauhe Steinböden zu schrubben. Auch als Fassbürsten wurden Wurzelbürsten benutzt. Im Dorf- und Heimatmuseum findet man die Wurzelbürsten in der Waschküche, im Flur vor dem Stall und im Fasskeller.
Jürgen Rieger



