Die Hebsacker Brücken – So war’s einmal

Bürgermeister i. R. Erich Hinderer schreibt im Heimatbuch von 1996:

„Die Gemeinde Hebsack hatte in den früheren Jahrhunderten das Recht, die Weihergrundstücke auf Markung Winterbach als Viehweide zu benützen. Zum Viehtrieb diente bis Ende des letzten Jahrhunderts eine Furt durch die Rems im Bereich der heutigen Brücke. Im Jahr 1883 beabsichtigte nun die Gemeinde Hebsack, im Zuge eines Ausbaues der Rems eine Brücke über den Fluss zu bauen und zwar an der Stelle eines dort vorhanden gewesenen Holzsteges. Der Gemeinderat von Winterbach erteilte am 11. August 1883 auf Ersuchen des Oberamtes die Zustimmung zum Bau einer Brücke, mit der Bedingung, dass Hebsack die Uferunterhaltung auf einer Länge von 10 m übernimmt. Die Brücke wurde 1890 gebaut und diente als landwirtschaftlicher Verbindungsweg zwischen Hebsack und Winterbach. Am Ende des Zweiten Weltkrieges (1945) wurde die Brücke von der Deutschen Wehrmacht gesprengt.“

Auf unserem Bild ist die 1890 erbaute Brücke zu sehen:

Oberhalb der damaligen Brücke bzw. der Bahnlinie sieht man noch das abgebrochene Bahnwärterhaus Posten 26. Es war dies von Baustil her ein typisches württembergisches Bahnwärterhaus mit einer Dienstwohnung.

Unterhalb der Brücke ist ein Landungssteg für einen davor liegenden Nachen (kompaktes, flaches Holzboot) zu sehen. Nachdem die Brücke nicht weit entfernt lag, ist davon auszugehen, dass der Nachen nicht zum Übersetzen diente. Vielleicht wurde er als Kiesboot verwendet, von dem aus mit langen Kiesschaufeln (im Museum ist eine solche ausgestellt) der Kies aus der Rems hochgeschaufelt wurde. Der lange Stiel, der aus dem Wasser herausragt, könnte zu solch einer Kiesschaufel gehören. Interessant ist, dass dieser Landungssteg noch auf der Winterbacher Gemarkung gelegen sein dürfte, die dort nördlich der Rems bis an die Gemarkung Geradstetten heranreicht.
Kurt Hasert hat zwischenzeitlich  herausgefunden, dass der Bäcker und Fuhrmann Karl Gönnenwein, Hauptstraße 6,  diesen Bereich der Rems von der Gemeinde zur Kiesentnahme gepachtet hatte.

Bild: Gemeinde Winterbach

Nach dem Krieg, genauer im Jahr 1951, wurde an der gleichen Stelle, an der die gesprengte Brücke stand, eine neue Brücke errichtet. Es war dies die bis vor wenigen Wochen bestehende Brücke. Diese war wiederum von der Gemeinde Hebsack errichtet worden.

Nun ist die dritte Brücke, wenn man so will und den ursprünglichen Holzsteg dazu rechnet, die vierte Brücke im Bau. Diese Brücke wird gemeinsam von den Gemeinden Winterbach und Remshalden gebaut. Möge dieser Brücke ein längeres Bestehen als den Vorgängerbauten beschieden sein. Jürgen Rieger